Dieser Fall ist sicherlich einer der, wenn nicht sogar der bekannteste und beweisträchtigste Fall von Reinkarnation, den auch Ian Stevenson 1986 untersucht hat.

Die Vorgeschichte beginnt am 08. Januar 1902 im Ort Mathura in Indien; an diesem Tag wurde ein Mädchen namens Lugdi Bai geboren. Lugdi wurde mit einem ortsansässigen Tuchhändler verheiratet. Bei der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Navneet kam es zu Komplikationen und Lugdi starb 10 Tage nach der Geburt am 04. Oktober 1925.

Am 11. Dezember 1926 wurde in der Nähe von Delhi in Indien (ca. 120 Kilometer von Mathura entfernt) ein Mädchen namens Shanti Devi geboren. Erst im Alter von fast 4 Jahren begann die ruhige Shanti zu sprechen. Einer ihrer ersten zusammenhängenden Sätze war: „Du bist nicht meine Mutter!“ Weitere solcher Aussagen folgten; sie sagte zum Beispiel immer wieder: „Dies ist nicht mein wirkliches Zuhause. Ich habe einen Ehemann und einen Sohn in Mathura; ich muss zu ihnen zurückkehren!“ Sie erinnerte sich an immer mehr Dinge: Welche Kleider sie trug, welche Speisen sie gern zu sich nahm, welchem Beruf ihr erinnerter Ehemann nachging, auch dass dieser eine Warze auf der linken Wange hatte und eine Lesebrille trüge.

Zu diesem Zeitpunkt war Shanti bereits 6 Jahre alt. Weiter erinnerte sie sich an ihren früheren Namen („Lugdi“) und ihren eigenen Tod und dessen Umstände, erzählte von den komplizierten chirurgischen Eingriffen unter der Geburt und den Wehenschmerzen, die sie erlitt. Informationen dieser Art konnte Shanti auf normalem Wege (gehört, gesehen, gelesen etc.) nicht erlangt haben.

Eines Tages, Shanti war ungefähr 9 Jahre alt, gab sie endlich und nach einigem Drängen der Familie den Namen ihres erinnerten Ehemannes preis (Kedarnath Chaube), woraufhin Shantis Eltern Nachforschungen anstellten, um dann völlig schockiert festzustellen, dass alle Angaben Shantis bis hierher stimmten. Ein Freund der Familie kontaktierte Kedarnath daraufhin in Mathura, welcher auch prompt antwortete und alle Einzelheiten bestätigte. Er schickte einen Verwandten zu Shanti Devis Haus, um einen Kontakt herzustellen; und um ihr Wissen zu testen, wurde dieser Verwandte Shanti als ihr Ehemann vorgestellt. Doch Shanti ließ sich nicht täuschen und erkannte, dass es der Cousin ihres Mannes war. Daraufhin betraten Kedarnath und dessen Sohn Navneet, der mittlerweile 10 Jahre alt war, das Haus und Shanti brach sofort in Tränen aus, als sie die beiden als ihre frühere Familie erkannte.

Kedarnath sprach sogleich allein mit Shanti und berichtete danach, dass sie all seine Fragen aus Lugdis Leben völlig korrekt beantworten konnte. Er sagte noch: „Es war, als würde meine verstorbene Frau sprechen.“

Einige Zeit später bat Shanti darum, ihr altes Haus in Mathura besuchen zu dürfen, um einen weiteren Beweis zu erbringen, denn sie habe als Lugdi dort eine Kiste mit Geld versteckt, welche sie nun wieder zutage fördern wollte. So machte sie sich mit Erlaubnis der Eltern und einem guten Dutzend Forschern (Mahatma Gandhi setzte eine Kommission zur Untersuchung des Falls ein) auf den Weg nach Mathura. Dort fand Shanti den Weg vom Bahnhof zu ihrem alten Zuhause ohne Probleme; sie erkannte sämtliche Straßen und Gebäude.

Im Haus angekommen ging sie zielstrebig in eine bestimmte Zimmerecke im oberen Stockwerk, um die Kiste unter den Dielen hervorzuholen, die Lugdi früher dort versteckt hatte. Jedoch war in der Kiste kein Geld mehr und ihr früherer Mann Kedarnath gab später zu, dass er das Geld nach ihrem Tod herausgenommen hatte. Auch ihre früheren Eltern erkannte Shanti in einer Gruppe von über 50 Personen sofort; es war ein tränenreiches Wiedersehen.

Die von Mahatma Gandhi eingesetzte Kommission konnte keine rationale Erklärung für diesen Vorfall finden. Der Bericht dieser Kommission von 1936 stellte fest, dass Shanti Devi tatsächlich die Reinkarnation von Lugdi Bai war. Ian Stevenson sagte, dass Shanti etwa 24 Aussagen über ihr früheres Leben machte, die genau mit den verifizierten Fakten übereinstimmten.

Shanti Devi führte letztlich ein ruhiges und spirituell geprägtes Leben bei ihren Eltern in Delhi, hat nie geheiratet und starb am 27. Dezember 1987 im Alter von 61 Jahren.

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Quellen

Horn, Nils (2022): Reinkarnation Grundwissen. S. 120-122. München: bookrix. 

Böttcher, Margitta (2026): Reinkarnation: Der Fall Shanti Devi. Online verfügbar unter: https://www.mementomori.rip/reinkarnation-der-fall-shanti-devi/. Zuletzt geprüft am 23.03.2026.

Hartzman, Marc (2024): The Mind-Boggling Tale Of Shanti Devi, The Indian Child Who Claimed She Lived Twice. Online verfügbar unter: https://allthatsinteresting.com/shanti-devi. Zuletzt geprüft am 23.03.2026.

Dimri, Bipin (2022): Die Leben der Shanti Devi: Beweis der Reinkarnation? Online verfügbar unter: https://www.ancient-origins.de/unerklaerliches/shanti-devi-reinkarnation-007698. Zuletzt geprüft am 23.03.2026.

Dieser Beitrag wurde am 23.03.2026 zuletzt bearbeitet.