Dies ist ebenfalls ein sehr berühmter Fall von Reinkarnation, den Ian Stevenson bereits in den 1960er Jahren untersucht hat. Auch hier spielen detaillierte Aussagen zum früheren Leben und auch Geburtsmale der wiedergeborenen Personen eine sehr wichtige und entscheidende Rolle.
Zur Vorgeschichte: Die Eheleute John und Florence Pollock lebten in den 1950er Jahren im englischen Hexham, zusammen mit ihren 4 Kindern, unter ihnen die beiden Töchter Joanna (geb. 1946) und Jacqueline (geb. 1951).
Die beiden Mädchen (die zumeist von ihrer Großmutter betreut wurden, da die Eltern selbstständig waren und einen Lebensmittelladen zu führen hatten) waren unzertrennlich; Joanna, als die ältere Schwester, bemutterte Jacqueline immerzu. Joanna liebte Kostüme und sich zu verkleiden, war großzügig und teilte alles, was sie hatte, mit ihrer Schwester und Freunden. Zudem hat sie als Kind oft geäußert, dass sie nie groß werden würde („I will never be a lady“) [1].
Als Jacqueline 3 Jahre alt war, stürzte sie auf einen Eimer und zog sich eine Wunde an der Stirn, genauer gesagt an der Nasenwurzel zu, woraufhin eine Narbe zurückblieb. Ebenso hatte sie von Geburt an ein dunkles Muttermal auf der linken Hüfte. Beide Mädchen liebten es, die Haare zu bürsten, am liebsten die von ihrem Vater. Diese speziellen Details werden im Laufe dieses Falles noch wichtig.
Am Sonntag, den 05. Mai 1957 waren beide Schwestern zusammen mit einem gemeinsamen Freund, Anthony, auf dem Weg zur Kirche. Zu diesem Zeitpunkt war eine Witwe, mutmaßlich in suizidaler Absicht, mit ihrem Auto unterwegs, nachdem sie eine hohe Dosis Phenobarbitate und Acetylsalicylsäure (Aspirin) eingenommen hatte [1].
Zeugen des Vorfalls bestätigten die irre Fahrweise der Frau, welche alle 3 Kinder auf dem Gehsteig mit ihrem Wagen erfasste. Die Mädchen starben noch am Unfallort, Anthony auf dem Weg ins Krankenhaus.
Bildquelle:
PSI-Encyclopedia: Pollock-Zwilinge.
Die Eltern der beiden Schwestern waren verständlicherweise am Boden zerstört; wobei John Pollock seit jeher von der Möglichkeit der Reinkarnation überzeugt war, im Gegensatz zu seiner Frau Florence, die davon nichts wissen wollte. John war ebenfalls fest davon überzeugt, dass die Mädchen in naher Zukunft wieder in die Familie hinein geboren werden.
Wie es der Zufall (oder auch nicht?) wollte, wurde Florence etwa ein Dreivierteljahr nach dem tödlichen Unfall wieder schwanger und brachte am 04. Oktober 1958 eineiige Zwillingsmädchen zur Welt, Gillian und Jennifer (Gillian wurde 10 Minuten vor Jennifer geboren).
Auffällig ist hier direkt, dass Jennifer an der Nasenwurzel ein Muttermal hatte – entsprechend der Narbe aufgrund Jacquelines Sturz. Ebenso hatte sie ein Muttermal an der linken Hüfte, genau wie ihre verstorbene Schwester Jacqueline. Gillian besaß keines dieser Male – trotz der Tatsache, dass sie eineiige Zwillinge sind.
Als die Zwillinge ca. 9 Monate waren, zog die Familie Pollock von Hexham nach Whitley Bay, um mit dem Tod von Joanna und Jacqueline abzuschließen.
Im Laufe der Zeit traten bei den Zwillingen Verhaltensweisen auf, die stark an ihre verstorbenen Schwestern erinnerten. Um einige Beispiele zu nennen: Gillian neigte dazu, ihre Schwester Jennifer zu bemuttern, so wie Joanna früher Jacqueline bemutterte. Gillian und Jennifer liebten es beide, anderen Leuten die Haare zu frisieren und zu bürsten, aber am liebsten ihrem Vater. Gillian liebte es ebenfalls, sich zu verkleiden und Kostüme zu tragen und war genauso offenherzig und großzügig wie Joanna früher. Zu ihrer Großmutter hatten Gillian und Jennifer eine sehr starke Bindung, obwohl die Zwillinge nicht so oft von ihr betreut wurden, im Gegensatz zu ihren verstorbenen Schwestern früher.
Auch körperlich unterschieden sich die eineiigen Zwillinge im Laufe der Zeit mehr und mehr. Joanna war damals sehr schlank gebaut, ebenso wie Gillian. Jacqueline war früher eher stämmiger Natur – so auch Jennifer. Auch die Gangarten beider Schwesternpaare ähnelten sich sehr.
Kurz bevor Jacqueline starb, lernte sie noch schreiben; dabei hatte sie die Angewohnheit, den Stift senkrecht in der Faust zu halten, was sie nie abgelegt hatte.
Gillian und Jennifer lernten bereits mit 4 Jahren schreiben, wobei Gillian den Stift sofort richtig hielt und Jennifer den Stift genauso senkrecht in der Faust hielt wie Jacqueline früher. Erst mit ca. 7 Jahren legte Jennifer dieses Verhalten ab und hielt den Stift richtig, wobei sie auch als junge Erwachsene ab und zu noch in die „Fausthaltung“ zurückfiel [1].
Die Zwillinge machten im Laufe ihrer frühen Kindheit (zwischen dem 3. und 7. Lebensjahr) diverse Aussagen über ihr früheres Leben, die auch Gegenstand der Untersuchungen von Ian Stevenson im Laufe der Jahre waren [2].
Im Alter von 3 Jahren erkannten die Zwillinge Spielzeuge ihrer verstorbenen Schwestern wieder, die die Eltern nach dem Tod der beiden auf dem Dachboden gelagert und dann erneut hervorgeholt hatten. Dabei beanspruchte Gillian die Puppe, die damals Joanna gehört hatte, und Jennifer nahm sich ganz selbstverständlich Jacquelines Puppe. Interessant ist hier, dass die Zwillinge den Puppen dieselben Namen gaben wie es damals Joanna und Jacqueline getan hatten.
Einmal hörte Florence, wie sich Gillian und Jennifer allein in ihrem Zimmer unterhielten. Gillian hielt Jennifers Kopf und sagte: „Das Blut läuft dir aus den Augen. Dort hat dich das Auto getroffen“. [1] Generell sprachen die beiden immer in der Gegenwart, wenn sie sich über den Autounfall austauschten. Man muss dazu erwähnen, dass die Eltern John und Florence ihren Töchtern nie von ihren verstorbenen Schwestern erzählt hatten, und schon gar nicht die genauen Todesumstände.
Einmal zeigte Gillian auf das Muttermal auf Jennifers Stirn und sagte: „Das ist das Mal, das sich Jennifer zugezogen hat, als sie auf den Eimer gefallen ist.“
Als die Zwillinge ca. 4 Jahre alt waren, besuchte die Familie Pollock erneut ihr altes Städtchen Hexham (wir erinnern uns: beim Wegzug waren die Zwillinge erst wenige Monate alt). Dort erinnerten sich die Mädchen an einen Park, in dem sie schaukeln wollten, weil sie früher schon dort gern gespielt hatten. Auch dass Joanna und Jacqueline in der Schule in Hexham immer zu Mittag gegessen hatten, wussten die Zwillinge.
Gillian und Jennifer litten bereits als kleine Kinder an einer auffälligen Automobilphobie. Sie waren beim Überqueren von Straßen äußerst vorsichtig und hielten sich immer an den Händen. Einmal hörten sie in ihrer Nähe ein Automotor aufheulen und riefen voller Panik: „Das Auto! Das Auto! Es kommt!“
Mit zunehmendem Alter vergaßen die Zwillinge ihre Erinnerungen an ihr früheres Leben und führten ein normales Leben. Ian Stevenson traf die beiden, als die Anfang 20 waren und sie gaben an, sich an nichts aus einem früheren Leben erinnern zu können. Sie zeigten sich sogar skeptisch gegenüber dem Thema Reinkarnation, obwohl sie den Glauben ihrer Eltern daran durchaus akzeptieren konnten.
Gillian berichtete 1981 nochmals von Visionen, in denen sie sich selbst mit ihren Brüdern in einem Sandkasten spielen sah. Sie beschrieb das Haus, den Garten, die Umgebung so genau, dass es auf ein Haus passte, in dem die Familie Pollock lebte, als Joanna jünger als 4 Jahre war (also noch vor 1950). Gillian selbst war nie dort gewesen.
Florence Pollock starb 1979, John Pollock 1985. Was aus Jennifer und Gillian Pollock wurde, lässt sich aktuell leider nicht recherchieren (Stand Dezember 2025).
Quellen und Fußnoten
Dieser Beitrag wurde am 14.07.2026 zuletzt bearbeitet.