Als Barnum-Effekt bezeichnen Psychologen die natürliche Neigung des Menschen, vage und allgemeine sowie meist positive Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffend empfunden werden. Eingeführt wurde der Begriff durch Paul Meehl, nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum. Dieser unterhielt ein Kuriositätenkabinett, für das er mit „a little something for everyone“ (= für jeden etwas dabei) warb. Erste Forschungen fanden bereits in den 1920er und 1930er Jahren in Frankreich statt.
Der Effekt ist auch als Forer-Effekt bekannt. 1949 demonstrierte Bertram R. Forer seinen 39 Psychologiestudenten die Auswirkungen des Effekts, indem er ihnen sagte, dass er ihnen eine Persönlichkeitsbeschreibung anhand psychologischer Tests zur Verfügung stellen würde. Tatsächlich erhielten alle Schüler ein identisches Feedback, das nichts mit den Tests zu tun hatte. Stattdessen hatte Forer folgende Behauptungen aufgestellt:
- Du möchtest, dass dich andere mögen und bewundern.
- Du hast eine Tendenz, dich selbst zu kritisieren.
- Du verfügst über eine große Menge an ungenutzten Kapazitäten, die du bisher nicht zu deinem Vorteil eingesetzt hast.
- Obwohl du persönliche Schwächen hast, kannst du diese in der Regel kompensieren.
- Deine sexuelle Anpassung hat dir Probleme bereitet.
- Auch wenn du nach außen diszipliniert und selbstbewusst wirkst, bist du eigentlich eher besorgt und unsicher.
- Manchmal hast du ernsthafte Zweifel, ob eine Entscheidung richtig war.
- Du bevorzugst eine gewisse Menge an Wechsel und Abwechslung und wirst unzufrieden, wenn du durch Verbote und Limits daran gehindert wirst.
- Du verstehst dich als unabhängigen Denker und akzeptierst andere Behauptungen nicht ohne zufriedenstellende Beweise.
- Du hast die Erfahrung gemacht, dass es unklug ist, dich anderen gegenüber zu schnell zu öffnen.
- Manchmal bist du extrovertiert, umgänglich, gesellig; manchmal aber auch introvertiert, vorsichtig, reserviert.
- Manche deiner Ambitionen stellen sich als ziemlich unrealistisch
- Sicherheit ist eines deiner wichtigsten Ziele im Leben.
Die Studenten waren beeindruckt von der Trefferquote: 4,3 auf einer Skala von 0 für nicht zutreffend bis 5 für absolut zutreffend. Weitere Beispiele sind Sätze wie: „Du hast einen guten Sinn für Humor“.
Derartige Aussagen werden auch als „Barnum-Aussagen“ bezeichnet. Den charakterbeschreibenden Aussagen fehlt es an Objektivität und Falsifizierbarkeit. Sie betonen Aspekte, die auf die meisten Menschen zutreffen oder die sich diese Menschen wünschen würden. Oft beinhalten sie Themen wie Grundängste, persönliche Wünsche oder heldenhafte Assoziationen.
Barnum-Aussagen finden sich vor allem in Horoskopen, aber auch beim Wahrsagen oder Cold Reading, wie es z.B. von Mentalisten angewandt wird. Auch die Grafologie (Handschriftendeutung) fällt in diesen Bereich.
Quellen
Wikipedia (2024): Barnum-Effekt. Online verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt. Zuletzt geprüft am 08.01.2026.
French, Chris (2024): The Science of Weird Shit. Why Our Minds Conjure The Paranormal. Massachusetts: MIT Press.
Wiseman, Richard (2012): Paranormalität. Warum wir Dinge sehen, die es nicht gibt. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.
Dieser Beitrag wurde am 08.01.2026 zuletzt bearbeitet.