1. Einleitung

Obwohl Klassifizierungen generell im Bereich der Feldforschung – insbesondere bei den Laienforschern – eher nicht üblich sind, verhält es sich bei EVPs (Electronic Voice Phenomena), oftmals anders.

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2. Unterschiedliche Klassifikationssysteme

Die Association TransCommunication (ATransC) unterteilt elektronische Stimmphänomene in zwei Klassen:

Typ 1: Transformativ – Manipulation unterschiedlicher Geräusche
Typ 2: Opportunistisch – gezielte Auswahl existierender Stimmen

Allerdings haben diese zwei Typen eher mit dem Umfeld zu tun, in dem die EVP aufgezeichnet wurde und nicht mit der Aufzeichnung selbst. Zu Typ 1 gehören EVPs, die temporär sehr eingeschränkt sind und in ihrer Tonhöhe menschlichen Stimmen ähneln; sie treten auf, während andere Geräusche aufgezeichnet wurden. Das können Backgroundgeräusche wie Summen, Rauschen oder Pfeifen sein, die dann gewissermaßen als Träger fungieren. Die Geräusche werden umgewandelt und die Tonhöhe verändert; dies führt zu dem mechanischen Klang, der oft mit EVP in Verbindung gebracht wird. Die meisten EVPs, die während einer paranormalen Untersuchung aufgezeichnet werden, dürften in diesen Typus fallen, denn auch das technische Rauschen eines Audiogerätes fällt darunter.
Der Typ 2 beschreibt EVPs, die mit einem Gerät aufgezeichnet wurden, das selbst Stimmen produziert; oder menschliche Stimmen, die als Träger des EVP fungieren. Darunter fällt zum Beispiel auch die Spirit Box. Ein solches EVP könnte aber auch entstehen, wenn ein Audiogerät Diskussionen der Anwesenden aufzeichnet. Einige Ghosthunter in Europa setzen auch gezielt Audiodateien in fremden Sprachen ein oder spielen verzerrte Stimmen aus, um so die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines echten EVPs zu erhöhen. Diese Methode erhöht allerdings auch signifikant die Möglichkeit einer Fehlinterpretation oder akustischen Pareidolie.

Die zwei unterschiedlichen Typen werden nochmals in Unterklassen aufgeteilt. Obwohl es unterschiedliche Skalen gibt, erfolgt die Unterteilung fast immer in A, B, oder C.

Die Raudive-Skala
Konstantin Raudive war der erste bekannte Stimmenforscher, der versuchte, EVPs zu klassifizieren. Dafür veranschlagte er drei Klassen der Hörbarkeit, die er in seinem Buch Breakthrough (1971) vorstellte. Seine Skala ist heute nicht mehr weit verbreitet, gilt aber als Vorläufer aller folgenden EVP-Einteilungen.

Klasse A:
Stimmen können ohne technischen Verstärker gehört und verstanden werden. Die angewandte Sprache wird erkannt. Es ist kein besonders trainiertes Gehör erforderlich.

Klasse B:
Die Wörter werden schneller und leiser gehört, sind aber immer noch ohne technische Verstärkung hörbar.

Klasse C:
Die Stimmen offerieren sehr viele Informationen und ermöglichen die Aufzeichnung paranormaler Daten.

Raudive gibt an, dass die meisten seiner aufgezeichneten EVPs in die Klasse A gehören würden. Zum Zeitpunkt der Erscheinung seines Buches will er 25.000 Stimmen aufgezeichnet und analysiert haben.

Das Estep-System
Sarah Estep stellte ihre Klassifikation 1988 in ihrem Buch Voices of Eternity vor. Ihre Einteilung etablierte sich schnell.

Klasse A:
Stimmen sind laut und klar ohne Klopfhörer zu verstehen und können auf andere Aufnahmegeräte dupliziert werden.

Klasse B:
Die Stimmen sind nicht ganz so laut und klar, können aber oft noch ohne Kopfhörer gehört werden.

Klasse C:
Die Stimmen klingen schwach oder geflüstert. Kopfhörer sind nötig und es können selten alle Wörter verstanden werden.

Im Gegensatz zu Raudive stellte Estep fest, dass die meisten der durch sie aufgezeichneten Stimmen in die Klasse C fielen.

Das AA-EVP-System
Die nachfolgende Klassifikation entstand durch die American Association of Electronic Voice Phenomena (AA-EVP), 1972 durch Sarah Estep gegründet und später in der Association TransCommunication (ATransC) aufgegangen. Ihre Kategorisierung orientiert sich an der Qualität und Klarheit der EVP und zielt außerdem darauf ab, Subjektivität zu vermeiden.

Klasse A:
EVP kann ohne Kopfhörer von mehreren Leuten gehört und inhaltlich verstanden werden.

Klasse B:
EVP erfordert Kopfhörer und nicht jeder versteht das Gesagte einwandfrei.

Klasse C:
EVP erfordert Kopfhörer, muss oft verstärkt und gefiltert werden und wird nur in seltenen Fällen von Außenstehenden verstanden.

Obwohl die Klassifikation der AA-EVP heute noch gebräuchlich ist, gibt es inzwischen eine noch neuere und weit verbreitete Einteilung, das KM EVP-System. Benannt wurde es nach den EVP-Forschern Doug Kelley und Jari Mikkola. Bei diesem System wird nicht nur die Qualität der EVP berücksichtigt, sondern auch die in ihr enthaltene Nachricht – ob anhand der Antwort ein echter paranormaler Kontakt belegt werden kann.


Das KM-System

Klasse 1 (Interaktiv):
Das EVP ist eine konkrete Antwort auf eine durch einen Menschen gestellte Frage, eine Handlung, Aussage oder Aktivität, oder eine EVP reagiert auf eine andere EVP:
– Die überwiegende Anzahl der Wörter ist klar und verständlich, mit oder ohne Kopfhörer hörbar.
– Die Stimmen kommunizieren verständliche und bedeutsame Wörter, die Gefühle, Meinungen, Handlungen oder Absichten ausdrücken.

Klasse 2 (Nicht-interaktiv):
Die Stimme äußert sich ohne offensichtlichen Zusammenhang zu menschlichen Fragen, Handlungen, Aussagen oder Aktivitäten:
– Die überwiegende Anzahl der Wörter ist grundsätzlich klar und verständlich, mit oder ohne Kopfhörer.
– Die Stimmen kommunizieren verständliche und bedeutsame Wörter, die Gefühle, Meinungen, Handlungen oder Absichten ausdrücken.

Klasse 3 (Keine Sprache):
Das EVP besteht nicht aus gesprochenen Wörtern, sondern:
– Knurren, Schreien, Summen etc.
– Musikinstrumenten, TV, Radio, Schritten, Klopfen, Schlägen, Gebell etc.

Klasse 4 (Null):
Das EVP enthält nichts Verständliches und ist zusammenhanglos:
– Die Wörter sind unverständlich, mit oder ohne Kopfhörer.
– Obwohl die Stimme/das Geräusch als EVP identifizierbar ist, fehlen verständliche und bedeutsame Wörter, die Gefühle, Meinungen, Handlungen oder Absichten ausdrücken.

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3. Quellen
[1] Higgins, Steve (2023): Whispers From the Other Side. A Comprehensive Guide to EVPs. S. 137 – 145. o.O.: o.V.

[2] Raudive, Konstantin (1971): Breakthrough. An Amazing Experiment in Electronic Communication whith the Dead. Letchworth, Hertfordshire: The Garden City Press. Online verfügbar unter: https://archive.org/details/BreakthroughAnAmazingExperimentInElectronicCommuninicationWithTheDead.ByKonstantinRaudive./page/n3/mode/2up. Zuletzt geprüft am 14.07.2026.

[3] SWARDH: Konstantin Raudive – Breakthrough (Full recording). Online verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=bxRTguQtHfw. Zuletzt geprüft am 14.07.2026.

[4] Estep, Sarah (1988): Voices of Eternity. New York City: Random House Publishing Group.

[5] Butler, Lisa; Butler, Tom (2001): About the AA-EVP. Online verfügbar: https://atransc.org/about-aaevp/. Zuletzt geprüft am 14.07.2026.

Dieser Beitrag wurde am 14.07.2026 zuletzt bearbeitet.